Überschüssige Reserven der Krankenversicherer

Mai 2021

Die Reserven der Krankenversicherer sind momentan zu hoch. Dieses Geld muss rasch zurückerstattet werden und soll allen Versicherten zugutekommen. Zudem ist es wichtig, dass alle Krankenversicherer dazu angehalten werden, die Prämien so präzis wie möglich zu berechnen, um derartige Überschüsse künftig zu vermeiden.

CHF 11 Milliarden

Das ist der Gesamtbetrag der Reserven aller Krankenversicherer im Jahr 2021. Vor drei Jahren lag dieser Betrag noch bei CHF 7 Mia.

Kontext

Jeder Krankenversicherer ist gesetzlich dazu verpflichtet, Reserven aufzubauen. Wozu dienen sie? Mit den Reserven werden Kosten gedeckt, die durch unvorhersehbare Ausgaben und aussergewöhnliche gesundheitliche Situationen entstehen können. Zum Beispiel bei einer Pandemie.

Die Reserven werden durch Überschüsse der Jahre gebildet, in denen die vergüteten Leistungen tiefer ausfallen als die Prämieneinnahmen.

Situation je nach Versicherer unterschiedlich

Assura nutzt die bestehenden gesetzlichen Mittel, um die Reserven auf einem angemessenen Niveau zu halten. Das heisst, wir berechnen unsere Prämien so präzis wie möglich, um die geschätzten Kosten für die Leistungen unserer Versicherten des laufenden Jahres decken zu können. Wenn wir am Ende eines Jahres feststellen, dass die Prämieneinnahmen höher waren als die Kosten, beantragen wir beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) die Rückerstattung des Überschusses an die betroffenen Versicherten. So haben wir im Jahr 2019 CHF 30 Mio. an 500'000 Versicherte zurückerstattet und dasselbe auch für 2021 vorgesehen.

Die Solvenzquote einiger Krankenversicherer ist aktuell viel zu hoch und beträgt mehr als 300%. Eine allgemeine Entwicklung: Die Reserven der Schweizer Krankenversicherer haben in den letzten drei Jahren gesamthaft stark zugenommen. Die durchschnittliche Solvenzquote ist von 150% auf 200% und der Gesamtbetrag von CHF 7 Mia. auf CHF 11 Mia. gestiegen.

Das meint der Experte

Eine Solvenzquote von 150% entspricht den Leistungen, die ein Versicherer wie Assura in einem Quartal erstattet. Sie reicht aus und sorgt dafür, dass die Reserven ihre Aufgabe vollständig erfüllen können. Bei einer durchschnittlichen Solvenzquote der Krankenversicherer von 200% könnten die Reserven um rund CHF 3 Mia. abgebaut werden, ohne die Stabilität unseres Gesundheitssystems zu gefährden.

Daniel Habegger, Verantwortlicher Politik, Public Affairs Assura

Unser Standpunkt

Überschüssige Reserven müssen so rasch wie möglich zurückerstattet werden und den Versicherten direkt zugutekommen. Zudem braucht es Massnahmen, um zu verhindern, dass in Zukunft wieder solche Überschüsse gebildet werden. Zwei politische Vorstösse, die aktuell diskutiert werden, entsprechen dieser Anforderung.

Der eine will die überschüssigen Reserven in Form eines einheitlichen Betrags für alle Versicherten zurückzuerstatten. Für eine gerechtere Verteilung befürworten wir es, dass dieser Betrag auf kantonaler Basis festgelegt wird.

Der zweite Vorstoss kommt von mehreren Kantonen und sieht vor, dass die überschüssigen Prämiengelder zurückerstattet werden müssen, sobald die Reserven 150% des gesetzlichen Minimums erreichen. Damit wäre sichergestellt, dass die Reserven auf einem angemessenen Niveau bleiben, um ihren Verwendungszweck zu erfüllen und dass alle Krankenversicherer ihre Prämien möglichst exakt berechnen.